Wissenswertes über Ischias
Risikogruppen
Ischiasschmerzen treten sehr häufig in industrialisierten Ländern auf. Wie bereits anhand dieser Tatsache zu erahnen ist, so liegt das hohe Risiko für Menschen in der heutigen Gesellschaft tatsächlich in den Lebensumständen begründet. Eine Risikogruppe für das Auftreten von Ischiasschmerzen sind Menschen, die schwerer körperlicher Arbeit nachgehen. Betroffen sind aus dieser Gruppe insbesondere die Leute, deren Arbeit schweres Heben und häufiges Bücken beinhaltet, vor allem dann, wenn dies mit Drehbewegungen einhergeht. Eine weitere Risikogruppe besteht jedoch aus Menschen, deren Berufsleben völlig gegensätzliche Anforderungen stellt. Auch eine überwiegend sitzend ausgeübte Tätigkeit, insbesondere in Verbindung mit einem mangelnden sportlichen Ausgleich, steigert die Anfälligkeit für Ischiasschmerzen. Zudem vermehrt betroffen sind Raucher, Menschen mit Übergewicht , besonders große Menschen und Menschen, die dauerhaft Stress ausgesetzt sind.
Das Cauda-Equina-Syndrom
Ischiasschmerzen sind in der Regel kein Notfall. Wenn jedoch neben den typischen Symptomen zusätzlich Taubheitsgefühle zwischen den Beinen und im Gesäßbereich und/oder Harn- oder Stuhlinkontinenz auftreten, müssen sich die Betroffenen umgehend in ärztliche Behandlung begeben. In diesem Fall handelt es sich um einen Notfall – es besteht Verdacht auf das eher selten auftretende Cauda-Equina-Syndrom.
Die Cauda equina ist ein pferdeschweifartiges Nervenwurzelgeflecht, das auf Höhe der ersten Lendenwirbel beginnt. Sie entsteht aufgrund eines Zurückbleibens des Wachstums vom Rückenmark gegenüber der Wirbelsäule während der Entwicklung. Die Nerven der Cauda equina verlaufen also nicht im Rückenmark, sondern liegen in einem Sack, der von der harten Hirnhaut (Dura mater) gebildet wird. Nach ihrem Verlauf im Wirbelkanal treten sie, wie die Rückenmarksnerven, durch die jeweiligen Zwischenwirbellöcher aus dem Wirbelkanal aus und ziehen zu den Muskeln, die sie motorisch versorgen bzw. zu den Arealen, die sensibel innerviert werden.
Neben den Hauptanzeichen der Taubheitsgefühle zwischen den Beinen und der Harn- oder Stuhlinkontinenz gibt es weitere Symptome eines Cauda-Equina-Syndroms. Betroffene klagen häufig über Schmerzen in beiden Beinen. Dies steht im Gegensatz zu den Ischiasschmerzen, die in der Regel einseitig auftreten. Neben dem Achillessehnenreflex kann oftmals auch der Patellarsehnenreflex nicht mehr ausgelöst werden. In manchen fällen tritt zudem eine Impotenz auf.
Das Cauda-Equina-Syndrom entsteht aufgrund einer massiven Einengung des Wirbelkanals, die meistens durch schwere Bandscheibenvorfälle hervorgerufen wird. Weitere Ursachen können Spondylosen oder Tumoren sein. Die Diagnose erfolgt über eine körperliche Untersuchung des Patienten mit anschließender Magnetresonanztomografie. Es können weitere Untersuchungen wie beispielsweise eine Lumbalpunktion (Punktion des Wirbelkanals zwischen dem dritten und vierten Lendenwirbel) notwendig sein. Bei eindeutiger Diagnose wird operiert, um schnellstmöglich den Druck von den Nerven zu nehmen. Bei bereits aufgetretener Harn- oder Stuhlinkontinenz oder Impotenz sind die Prognosen für eine völlige Wiederherstellung der Nervenfunktionen, insbesondere bei hohem Patientenalter, eher ungünstig.
Lydia Köper
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